PoD- Erfahrungen

Mein erstes Buch, das "LOCKBUCH RUHRGEBIET" - Entstanden in Zusammenarbeit mit Shaker Media
von Karin Reichert-Frei (November 2009)

Lockbuch Ruhrgebiet

„Man darf niemals eilig sein, wenn man ein Buch macht.“ Das sagte mir Herr Lammertz von Shaker Media, als ich ihn das erste Mal anrief und ihm von meinem ersten Versuch, das Buch bei BOD zu machen erzählte. Der war so ausgegangen, dass ich das Buch gleich in die Tonne gehauen und mich nach einem anderen Anbieter umgesehen hatte. Ich hatte selbst das Buch aber auch zu sehr unter Hochdruck gemacht, als dass es wirklich hätte gut sein können. In diesem Zusammenhang sagte Herr Lammertz dann diesen Satz, der inzwischen in Stein gemeißelt über meinem Schreibtisch hängt.

Und eine andere furchtbar banale Lebensweisheit hat sich bei meinem Buch wieder einmal bewahrheitet: „Es gibt keine Umwege.“
Durch den Versuch bei BOD sah ich wenigstens vor mir, was ich da so gemacht hatte. Und das hätte deutlich besser sein können! Angefangen bei der serifenfreien Schrift, die ich so toll modern gefunden und deshalb alle guten Ratschläge, die man so im Netz finden kann, in den Wind geschlagen hatte. Sie war wirklich nicht gut zu lesen!

Dazu muss man wissen, dass ich das Buch von A-Z wirklich selbst gemacht habe. Obwohl absoluter Laie was Layout und Setzkunst anging, habe ich mir die Freeware Scribus runtergeladen und munter losgelegt. OK – was ein Hurenkind ist, hatte ich schonmal gehört, aber ansonsten ...

Der erste Versuch war dementsprechend nicht nur in einer falschen Schrift, sondern auch zu wenig/zu schlecht differenziert, sprich Überschriften und Text zu wenig unterschieden, ganz klar zu wenig Schriften verwendet (es wird immer davor gewarnt, zu viele Schriften zu verwenden, aber das andere Extrem funktioniert auch nicht ...)

Inhaltlich hat sich durch meine Beschäftigung mit dem Thema (eine Industrie-Kultur-Radroute im Ruhrgebiet) das Buch noch völlig verändert und deutlich verbessert. Es hat nämlich einen großen zweiten Teil bekommen, den es vorher gar nicht gab. Mir war aufgegangen, dass ich keine Ahnung hatte von dem, was man da so zu sehen bekommt. Und so habe ich mich mit Bergbau und allem was dazu gehört beschäftigt und sozusagen eine „gedankliche Reise nach 1000 Meter unter Tage“ geschrieben.

Bei meiner Suche nach einem anderen Book-on-Demand-Anbieter war ich auf diese Seite und auf den Bericht von Ulrike Linnenbrink zu Shaker Media gestoßen.

Ich habe mich dann zunächst mal bei denen auf der Seite umgeschaut und festgestellt, DIE haben das von mir von vornherein gewünschte quadratische Format 20,5 x 20,5 cm! Das war schon mal toll.

Dann habe ich – wie von Ulrike empfohlen – mal dort den Herrn Lammertz angerufen. Und was für ein Unterschied zu BOD! Man hatte einen echten Menschen am Draht der sich wirklich mit einem unterhielt!

Und dann sollte ich ihm mal schicken, was ich so vorhatte. Denn die drucken dort – anders als BOD – nicht einfach alles, was reinkommt.

Es gefiel und ich konnte mich an die Arbeit machen.
Irgendwann hatte ich dann alles fertig und schickte Herrn Lammertz die PDF-Datei. Tja, und dann fing die Knochenarbeit an. Er hat nämlich tatsächlich nochmal draufgeschaut, wenigstens auf die ersten Seiten. Und mich darauf aufmerksam gemacht, dass ich alte und neue Rechtschreibung munter mische was die 'ss' angeht, dass die Hälfte der Gedankenstriche kurz und nicht lang war (was mir gar nicht bekannt war, dass Gedankenstriche doppelt so lang sind wie Bindestriche ...) und noch einige Sachen, wo er zu Recht meinte, man müsse den Leser ja nicht schon z.B. beim Lesen der Einleitung vergrätzen.

Insgesamt hatte und habe ich das Gefühl, Herr Lammertz hatte immer Zeit für mich und meine Probleme und fühle mich rundherum gut betreut. (Natürlich kann man nicht erwarten, dass er das Buch lektoriert! Da muss man sich schon selbst drum kümmern.)

Das Buch selbst ist vom Druck her voll und ganz zufriedenstellend! Mein Hauptproblem bei BOD war ja auch, dass in dem Buch sehr viele Farbfotos vorkommen (das jetzige hat 40 Farbseiten!) und ich die in dem BOD-Druck eigentlich überhaupt nicht mehr wiedererkennen konnte. Ich konnte bei Shaker Media auch unter verschiedenen Papiersorten wählen, was bei Fotodruck auch sehr wichtig ist. Zumindest „damals“ gab es bei BOD nur eine Art Schreibmaschinenpapier – dünn, wellig, durchscheinend.

Bei Shaker muss man – anders als bei BOD – die Fotos selbst nach CMYK konvertieren. Ich habe das einzeln von Hand gemacht (und es nicht bei der Erstellung der pdf automatisch machen lassen) und die Fotos sind ziemlich genau so rausgekommen im Druck, wie ich sie auch auf meinem Monitor sehe. Dass das nicht selbstverständlich ist, zeigten die kleinen Broschüren mit Leseproben, für die ich dem Drucker genau die gleiche pdf geliefert habe. Die Farben waren auch nicht schlecht. Aber auch nicht wirklich gut.

Zum Vertrieb: Ein ganz entscheidender Unterschied zu BOD ist, dass das Buch NICHT jeweils erst gedruckt wird, wenn es jemand bestellt!!!! Die drucken bei Shaker immer einen kleinen Vorrat, so dass das Buch wenn es z.B. von einem Buchhändler bestellt wird, DIREKT ausgeliefert werden kann. UND durch dieses Verfahren haben die Buchhändler ein Remissionsrecht auf das Buch!!! Ganz wichtig!!!

Den Preis kalkuliert man – wie bei BOD – selbst. Und hier habe ich meinem Buch regelrecht ein Bein gestellt, wenn nicht sogar ins Knie geschossen ...

Ich hatte die Vorstellung, dass das Buch wenn irgend möglich unter 20,00 EUR kosten sollte, weil ich das für eine Grenze halte unterhalb derer der Käufer vielleicht spontaner zugreift.

Wenn man für mein Buch (40 Farbseiten wie gesagt – die treiben den Preis so hoch!) einen Preis von 18,90 EUR durchrechnen läßt, stellt sich heraus, dass das Buch dann nicht im Großhandel erhältlich sein wird, für den nochmal 40% eingerechnet werden müßten.

Mir war – als Branchenfremden – absolut nicht klar, dass dies für den Buchhandel ein großes logistisches Hindernis darstellt. Der bestellt normalerweise alles über eine Seite online beim Großhandel und kann sicher sein, dass er die Bücher am nächsten Tag VOR Öffnung des Geschäftes hat!

Ich habe einige Rückmeldungen bekommen, die mir bewußt gemacht haben, dass ich da offensichtlich einen Fehler gemacht habe – zumindest muss jeder für sein Buch SEHR genau überlegen, wie er das handhaben will!

Aber auch diese Klippe konnte ich mit Hilfe von Herrn Lammertz dann doch noch umschiffen!
(Anmerkung von Ulrike Linnenbrink, die das Buch bereits in Händen hält):
Nun wird das Buch 22,90 EUR kosten, und ich denke, für ein so reich bebildertes, feines Sachbuch ist auch das noch ein guter Preis.
Kein "Pott-Kind" - so wie ich - sollte es sich entgehen lassen
!

Zum Abschluss möchte ich gerne noch einen Hinweis auf ein Buch zum Thema Colormanagement und Prepress geben. „Prepress“ ist ein Thema, das – so die Autoren – selbst bei vielen Grafikern etwas „unterbelichtet“ ist. Ich hatte natürlich auch hiervon keinen blauen Dunst.

Dieses Buch war mir sehr sehr hilfreich bei der Umwandlung der Fotos in CMYK aber auch bei den folgenden Schritten, bis hin zu der Erklärung, wie man einen vernünftigen „Preflight“ macht, so dass man sicher sein kann, dass die Datei in Ordnung ist, die man beim Drucker einreicht. Dass also in der Datei wirklich kein Foto mehr in RGB vorhanden ist oder, oder, oder ...

Das Konzept des Buches ist dabei so, dass man selbst auswählen kann (anhand von farbigen Markierungen) ob man es alles ganz genau wissen will, sprich auch die theoretischen Hintergründe, oder ob man einfach nur Schritt für Schritt erklärt haben will, was man wann machen soll. Es bezieht sich allerdings nur auf Adobe-Programme (Photoshop, Indesign, QuarkXpress, Acrobat). Photoshop war hier im Haus vorhanden, nicht aber Acrobat (um die pdf zu erzeugen und für den preflight). ABER! Man kann es als Demo-Version für 4 Wochen umsonst runterladen. Das hat dann locker für den preflight gereicht.

Das Buch ist hier komplett als pdf zum Download vorhanden.

Nachdem ich dieses Buch durchgelesen hatte, habe ich es mir trotzdem bestellt, denn es kostet nur 19,80 EUR – und dann kann man es doch besser unter‘s Kopfkissen legen. ;-)


Das Buch ist fertig, was nun?

Natürlich muss man sich nach dem Erscheinen noch um sein Buch kümmern. Man kann nicht davon ausgehen, dass jemand anderem das Buch so am Herzen liegt wie uns selbst.

Man sollte überprüfen, ob alle Angaben bei Amazon richtig gemacht wurden, ob überhaupt ein erläuternder Test vom Verlag eingegeben wurde usw. Da es für den Verlag immer mit Arbeit verbunden ist, kommt man wahrscheinlich eher zu einem „search inside“ indem man unter „Leserfotos“ Bilder hochlädt. Ich habe zu diesem Zweck ganz einfach „Picasa“ (freeware von google) geöffnet und von den jeweiligen Seiten (pdf) meines Buches – z.B. von der Inhaltsangabe – einen Screenshot gemacht („Alt“ und „Druck“ gleichzeitig drücken). Der wird von Picasa automatisch als .jpg gespeichert und kann nahtlos als Foto hochgeladen werden.

Man sollte sich auch um die Angaben im VLB (Verzeichnis Lieferbarer Bücher) kümmern. Anders als bei Amazon, wo nur der Verlag selbst direkten Zugriff auf die Texte u.a. hat, kann man beim VLB auch als Autor Dateien anliefern: Leseproben als pdf, aber auch Fotos u.a.m.

Infos dazu hier.

Wovon ich im Nachhinein nicht mehr so überzeugt bin, ist die Anzeige im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels. Die kostet – 1x ¼ Seite quer – 280,00 EUR Netto! Ich hatte selbst einige Zeit in dem Büro, in dem ich gearbeitet hatte mit dem Börsenblatt zu tun und habe da schon immer mal die Anzeigen durchgesehen, ob es was Interessantes zum lesen für mich gibt. Wie sehr aber wirklich der Buchhandel diese Anzeigen liest – keine Ahnung. Ich kann mir vorstellen, das geht eher unter. Da sollte man sich auf jeden Fall vorher mal in der Branche umhören, wie sehr die das wahrnehmen.

Ob sich eine teure „professionelle“ Pressearbeit lohnt, wage ich genauso zu bezweifeln. Ich habe mit „Profact“ gesprochen. Der Mann war ehrlich genug mir zu sagen, dass Pressearbeit für Bücher nur über Leseexemplare läuft. Er könnte mir ja gerne viel Geld abnehmen meinte er (billigstes Paket 360,00 EUR), aber er sei selbst lange genug Journalist gewesen um zu wissen, dass die ganzen Pressemitteilungen per mail gar nicht gelesen werden KÖNNEN. (Da hier im Ruhrgebiet eh alles der WAZ gehört, sollte ich einfach ein Exemplar nehmen und dort vorbei bringen. Das habe ich getan. Ob was draus wird - wer weiss, wer weiss ...)

Das gleiche Schicksal trifft wahrscheinlich eine „gießkannenmäßige“ Mailing-Aktion mit Standardflyern. Diese Aussage habe ich zumindest von einem freiberuflichen Verlagsvertreter bekommen, der ja eigentlich wissen muss, wie man an die Buchhändler rankommt, denn davon lebt er schließlich.

Es muss auf jeden Fall gut überlegt sein, was man macht. Denn da kommen schnell einige hundert Euro zusammen!

©Karin Reichert-Frei

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