BOD – hat sich erledigt - von Karin Reichert-Frei (November 2008)
Wir – mein Mann und ich – sind eigentlich Fotografen. Gleichzeitig reisen wir viel, machen vor allem mehrtägige Radtouren in denen wir komplette Radrouten abfahren – z.B. Bodensee-Königssee. Seit ich durch Zufall von BOD erfahren hatte, setzte sich immer mehr die Idee in unseren Köpfen fest, gute Beschreibungen vor allem mit vielen aussagefähigen Fotos von diesen Routen zu erstellen und „unters Volk“ zu bringen. Denn uns selbst fehlen diese immer sehr, wenn wir eine Fahrt vorbereiten. Wie es irgendwo aussieht und ob es sich wirklich lohnt, dort hin zu fahren erfährt man nur durch mühselige Recherchen.
Print on demand kannte ich vom Druck von Handbüchern einer kleinen Softwarefirma, für die ich mal gearbeitet hatte. „Book“ on Demand kannte ich nicht. Es klang alles sehr verheißungsvoll und dass LIBRI dahintersteckt machte das Ganze superseriös und toll für mich. Denn LIBRI hatte ich selbst als Buch-Laie schonmal gehört (wobei ich aber eigentlich keine Ahnung habe, was Libri ist). Dass es noch andere Anbieter auf diesem Gebiet geben könnte, damit befaßte ich mich erst gar nicht. Das Problem ist aber auch, dass diese – wie ich inzwischen weiss – unter „Print“ on Demand bei Google auftauchen. Print on demand beinhaltet aber normalerweise eben nicht die Möglichkeit, eine ISBN zu erhalten und im VLB und überall gelistet zu werden. Es heißt eigentlich nur, ich muss bei einem Drucker nicht mehr eine ganze Auflage bestellen und bezahlen, sondern – wie bei unserem Handbuch damals – ich rufe immer nur ein paar Stück ab und wenn sich Änderungen ergeben, habe ich nicht sofort eine veraltete Auflage im Regal liegen, die ich dann ins Altpapier bringen kann.
Nun war also unser erstes Projekt wirklich spruchreif geworden. Ich hatte mich in Scribus eingearbeitet und wollte anfangen, das Buch zu lay-outen (tolles Deutsch!). Ich hatte mir ein schönes Format ausgedacht, das gut zu Fotos passen würde, denn um die Fotos geht es letztendlich in dem Buch. Ich nahm also Kontakt zu BOD auf. Auf der Internetseite sind nämlich nur bestimmte Formate vorgegeben, die alle eher auf andere Bücher zugeschnitten sind. Die erste Enttäuschung: an diese Formate muss man sich halten. Es sei denn, man ist ein Verlag. In irgendeiner fernen Zeit könnte man sich aber durchaus Gedanken machen, ob man ein Format anbietet, dass für Fotografen besser geeignet ist.
Ich machte also ein Lay-out mit einem der vorgegebenen (Hoch-)Formate. Nun das nächste Problem: wie sieht eigentlich ein BOD-Buch in echt aus? Ich hatte noch nie eins in der Hand gehabt und wußte nichts über die Qualität. Weder über die Qualität des Papieres noch über die Qualität des Druckes. Und natürlich besteht bei der Übersetzung des von Kameras (und allen Aufnahmegeräten) verwendeten Farbmodus RGB in den von allen Ausgabegeräten verwendeten Farbmodus CMYK immer die Gefahr von Farbverfälschungen. Ich lud als erstes einen speziellen Farbraum herunter und band ihn in die Fotos ein. Dieser soll gewährleisten, dass die Farben eindeutig definiert sind (denn innerhalb von RGB gibt es noch verschiedene Farbräume die in verschiedene Farbprofile münden und da können – verkürzt gesagt – Aufnahmegerät (sprich Kamera/Scanner) und Drucker ganz schön „aneinander vorbei reden“. Bei BOD gab man mir den Rat dann das Buch zunächst als „Fun“-Projekt anzulegen und mir anzuschauen. Dieser Rat ist sehr gut und ich habe ihn natürlich beherzigt. Denn wenn man ein „Classic“ Paket für 39,00 bucht, bedeutet jede Korrektur - und sei es nur ein Tippfehler - sofort eine Neuauflage! Sprich: die 39.00 werden nochmal fällig. Dass sowas bei anderen Anbietern selbstverständlich dazu gehört, wußte ich damals noch nicht.
Ich lud also die von mir erzeugten PDF-Dateien nach BOD hoch. Zunächst das Cover. Als der Upload beendet war tauchte vor mir eine erschreckende Vorschau auf, die mit meinem Foto farblich nur noch entfernte Ähnlichkeit hatte. Der große Anteil von stahlblauem Himmel auf meinem Foto hatte sich in eine Symphonie von Violett-Tönen verwandelt.
Originalfoto
Cover bei BODIch hätte gar nicht gewußt, wie ich mein Original-Foto so bearbeiten sollte, dass es dann bei BOD wieder wie mein ursprüngliches Foto rauskommt.
Ratlos griff ich zum Telefon. Dort sagte man mir nur ganz trocken: Das was Sie jetzt vor sich sehen, hat nichts, aber auch gar nichts damit zu tun wie der Druck hinterher aussieht. Vergessen Sie die Vorschau, die Sie jetzt sehen! Ich kratzte mich am Kopf und fragte mich, wie erstens eine Vorschau bei BOD so völlig anders aussehen konnte als meine eigene PDF (dich ich auch schon ansatzweise ausgedruckt hatte, vor allem das Cover, und wo also mein Drucker keine Probleme hatte, meine RGB-Farben in entsprechende CMYK-Farben zu übersetzen) und wozu zweitens eine Vorschau gut ist, wenn sie nichts mit dem Ergebnis zu tun hat. OK – ich bin kein Drucker und habe davon keine Ahnung. Bisher habe ich nur Fotobücher bei Fotoanbietern im Netz erstellen lassen oder Poster drucken lassen bei verschiedensten Anbietern. Da gab es nur sehr kleine Farbabweichungen, die z.T. auch vom Geschmack der Anbieter abhängen. Solche Abweichungen würde es bei BOD auch nur geben, dachte ich mir. Und dann müßte ich ggf. noch etwas an den Fotos „rumschrauben“ um sie z.B. wärmer oder kälter zu machen.
Ich lud auch noch den Buchblock hoch, die Vorschau sah dann merkwürdigerweise genau so aus wie meine eigene PDF. Ich war beruhigt und harrte der Dinge, die da kamen.
Die Datei fertig für den Druck zu machen dauerte eine Woche. Inzwischen habe ich zur Kenntnis genommen, dass anderen Autoren Zeiten von mehreren Wochen kurz vorkommen. Von Print on demand war ich sowas nicht gewöhnt. Und schon gar nicht von den Anbietern, die Fotobücher machen - da hat man das komplette Buch in 3-4 Tagen vorliegen. Aber wie gesagt – ich bin kein Drucker und habe keine Ahnung davon. So schlimm fand ich das auch nicht. Denn das findet ja nur ein Mal statt und dann muss das Buch ja nur noch immer gedruckt werden.
Dann kam die Mitteilung: Ihr Buch kann jetzt gedruckt werden.
Da ich direkt ein Exemplar mitbestellt hatte, als ich das Buch hochgeladen hatte, sah ich jetzt täglich in meinen Briefkasten. Dummerchen du! Nach einer Woche rief ich bei BOD an. Ich hatte die Vermutung, dass es nur bei Fun-Projekten so lange dauert. Dass BOD aber bei „echten“ Büchern zügig dafür sorgen würde, dass so ein Buch im Buchladen ankommt, wenn es jemand bestellt. Das ist aber mitnichten der Fall!!!!! Man sagte mir, Lieferzeiten von 10 Tagen (also nur der Druck! Ohne Versandzeit!) seien auch bei „echten“ Büchern durchaus normal. So seien halt ihre Arbeitsabläufe. Punkt.Ich begann mir Sorgen zu machen. Ich selbst kaufe Bücher überwiegend bei Amazon. Meist wenn ich selbst eine Reise vorbereite und mir noch ein Wanderführer oder sowas fehlt. Sehr spontan, meist nachts. Und dann will ich das Buch aber verdammt noch mal auch schnell haben. Wenn da stehen würde: lieferbar in 10 Tagen (das steht da ja nicht! Die wissen auch warum!) würde ich schon auf das Buch verzichten. Schließlich geht es nicht um bibliophile Kostbarkeiten. Und ich kann mir auch nicht recht vorstellen, dass Kunden im Buchhandel bereit sind, so lange auf ein Buch zu warten. Der Spontankäufer, der noch schnell was zum Geburtstag sucht, bleibt doch dann schon direkt außen vor.
Inzwischen hatte ich bei Amazon die Möglichkeit entdeckt, dass Amazon das Buch für eine Gebühr ans Lager nimmt und es dadurch wenigstens bei Amazon immer sofort erhältlich ist (Amazon Advantage). Ich hatte die Illusion, vielleicht noch einen klitzekleinen Anteil am Weihnachtsgeschäft wenigstens bei Amazon mitzukriegen, wenn ich das Buch dort schon einmal selbst anmelden würde. Denn für diese ganzen Meldungen braucht BOD auch nochmal eine ganze Zeit. So könnte ich mir schonmal eine ISBN geben lassen und das Buch selbst anmelden. Im Prinzip geht das wohl, nur bin ich dann auch der Ansprechpartner von Amazon, wenn die nachbestellen wollen, die würden es also nicht direkt bei BOD nachbestellen. Ob Amazon allerdings mit BOD zusammenarbeiten würde für „Advantage“ sei allerdings durchaus fragwürdig, eben wegen der langen Lieferfristen. Denn wenn der Lagerbestand auf 1 geschrumpft ist und die bei BOD nachbestellen, bekommen die das Buch ja auch nicht schneller.
Ich fand es an der Zeit, einmal mit einem der netten Marketingberater zu sprechen, die als Kontakt auf der BOD-Homepage aufgeführt werden. Marketing traue ich mir durchaus schon selbst zu, aber diese Lieferfristen stellten sich jetzt schon als sehr verkaufshemmend heraus.
Zu einem Marketingberater konnte ich nicht vordringen. Man sagte mir stattdessen am Telefon, ich könnte mir ja gerne einen Verlag suchen, der mein Buch herausbringt.
Nach über einer Woche kam dann die E-mail: Ihr Buch ist gerade versendet worden.
Das war montags. Wieder sah ich jeden Tag in den Briefkasten. Am Samstag war das Buch tatsächlich in der Post. OK – das ist wahrscheinlich jetzt die Schuld von DHL. Man weiss, dass die Büchersendungen gerne schonmal ein bißchen liegen lassen.Mit dem Auspacken des Buches lösten sich dann meine ganzen Befürchtungen und Sorgen in Luft auf. Das Cover IST eine Symphonie in Magenta-Tönen (hat also doch mehr Ähnlichkeit mit der Vorschau als die Dame am Telefon meinte). Und die Fotos im Inneren haben überhaupt keinerlei Ähnlichkeit mit unseren Fotos. Da würde auch kein „Herumschrauben“ helfen. Diese Arbeit kann ich mir aber sowieso sparen, denn die Qualität des Buches an sich ist insgesamt unterirdisch.
Darf ein ungelesenes Buch SO aussehen?
Der Einband wellt sich (ist vielleicht mit 17x21cm schon zu groß für die dünne Pappe), das Papier ist so durchscheinend, dass man die Schrift (Trebuchet 14) durch die Fotos durchschimmern sieht und fühlt sich ansonsten so billig an, dass ich noch nichtmal meine Diplomarbeit darauf gedruckt hätte (so wie Schreibmaschinenpapier schätze ich mal). Nun aber das Schlimmste: die Druckqualität ist schon gar nicht mehr zu beschreiben schlecht. Da gibt es regelrechte Schlieren im Himmel und andere Dinge. Ich blätterte das Buch einmal durch und alle Last des Ärgers über BOD fiel von mir ab: BOD kam für mich als Partner überhaupt gar nicht mehr in Frage. Wie wir das Buch machen sollten, wußten wir jetzt erstmal nicht mehr. Aber mit BOD uns rumärgern gehörte schlagartig der Vergangenheit an.(Noch ein Wort zu LIBRI. LIBRI.de bietet z.B. einen Partnerschop an, den kann man in seine Homepage eingliedern und dort Bücher aufführen, die bei LIBRI erhältlich sind. Da ich gerade auch an einer Homepage zur Selbstvermarktung unserer Fotos arbeite, hatte ich schon einige Erfahrung mit Partnershops gesammelt. Das gibt es z.B. bei PosterXXL, da richtet man sich einen wunderschönen Shop ein, paßt den optisch an die Homepage an, stellt seine Bilder da rein und die Kunden können die dann direkt bei PosterXXL bestellen. Kosten tut das nix, denn schließlich kurbelt man ja dadurch den Umsatz bei PosterXXL an – die Provision für den Fotografen ist denkbar gering. Ich fand es eine gute Idee, Bücher zum Thema unserer Homepage zu recherchieren und über unsere Seite übersichtlich verfügbar zu machen. Bei LIBI kostet so ein Shop 150,00 EUR (IM MONAT!) + Einrichtungsgebühr von 250,00 EUR. Und gegen ein geringes Entgelt von 150,00 EUR kann man ihn sogar an seine eigene Homepage anpassen! Wohlgemerkt: um Verkäufe von Büchern zu vermitteln, die bei Libri im Programm sind! Es geht nicht um den Verkauf auf eigene Rechnung! Irgendwie scheint Libri noch nicht ganz in der modernen Internetwelt angekommen zu sein. Und vielleicht liegt ihnen auch der Service-Gedanke an sich nicht wirklich nah ... Überflüssig zu sagen, dass ich den Shop jetzt über Amazon einrichte.)
Sollten wir jetzt doch einen Verlag gründen (was ja keine große Sache ist) und alles selber machen? (Wir sind eben alte Selbermacher. Einen Verlag suchen kommt nicht in Frage. Über jeden Punkt und Komma sich mit jemand auseinandersetzen zu müssen ... das ist nicht unser Ding.)
Inzwischen habe ich mir – durch diese Seite angeregt – einmal die Seite von Shaker Media angesehen. Der Preis für unser Buch fällt hier etwas höher aus. Aber was hilft mir der Preis von BOD wenn das Buch regelrecht billig aussieht? Dafür hier direkt die Überraschung: Es gibt standardmäßig ein Format, das uns viel mehr entgegen kommen würde!!! Ich habe mehrere Papiere zur Auswahl (bei BOD nur weiss oder chamois, keine verschiedenen Gramm-Zahlen), auch welche, die für Fotodruck besser geeignet sind und das nur unwesentlich teurer. Und auf der Homepage steht schon, man solle sich jederzeit mit denen in Verbindung setzen, wenn man z.B. Wünsche bezüglich des Formates hätte. Man würde dann gerne schauen, ob sich das zu einem tragbaren Preis verwirklichen lassen würde. Die Lieferung eines Probeexemplares ist selbstverständlich. Gut – auf der Homepage von BOD las sich ja auch alles ganz toll. Zu Shaker Media liegt aber schon ein Erfahrungsbericht vor, der das bestätigt.
Ich bin gespannt auf meinen Erstkontakt mit Shaker Media! Und bin froh, dass BOD das Buch so versemmelt hat. Denn nun fange ich nochmal von vorne an, und es bekommt doch quasi unser Wunschformat! Und Shaker scheint auch schneller zu sein ...
©Karin Reichert-Frei