Was willst du deinen Lesern als Autor mitteilen? Welchen Weg würdest du dazu gern nehmen (Fachbuch, Roman, Kurzgeschichte, Lyrik)?
Ich schreibe unterhaltende Geschichten - und versuche mich seit ein paar Jahren auch an solchen mit Romanumfang. Ich möchte meinen Lesern einfach nur Spaß am Lesen, fantasieren, träumen mitteilen.
Seit wann schreibst du? (Musstest du "immer schon " schreiben? Unter diesem nicht recht zu beschreibenden "inneren Zwang"?)
Ich behaupte: niemand "muss" schreiben. Aber "Schreiben" ist ein Hobby wie viele andere auch - egal, ob nur für sich selbst, einen Fankreis oder die große Öffentlichkeit. Ich fröne diesem harmlosen Zeitvertreib seit rund 20 Jahren (Stand Anfang 2001).
Haben schon andere Leute als deine Freunde/Verwandten/Nachbarn das, was du schreibst, für lesenswert befunden? (Mit anderen Worten: Gibt es schon Veröffentlichungen von dir?)
Meine Kurzgeschichten (Bereich SF/Fantasy und "erwachsene Kindergeschichten") haben schon "viele" andere Leser als die in meinem direkten Umkreis gelesen - und damit für lesenswert befunden. Das heisst aber nicht automatisch, daß es Veröffentlichungen von mir neben den beinahe üblichen Abdrucken in "Abizeitungen", Zeitschriften oder Internet-Story-Sammlungen gibt.
Hast du schon mal ein Manuskript an einen Verlag geschickt? Und? Was ist passiert?
Da ich keinen unbedingten Veröffentlichungsdrang von für die Welt unwichtiger "Literatur" verspüre habe ich lediglich einen Literatur-Agenten mit dem Versuch beauftragt, eine Romanreihe zu "verkaufen". Da weder er noch ich das Ganze mit dem notwendigen Ernst betrieben haben ist daraus erwartungsgemäß nichts geworden. Aber weil das Feedback von Lesern bislang überwiegend positiv war werde ich demnächst den Weg des Selbstverlages beschreiten. Von den (deutschen) Verlagshäusern halte ich herzlich wenig - sie orientieren sich daran, was in den USA erfolgreich ist und vermeiden tunlichst ein Engagement bei unbekannten Autoren. Warum sollte ich einem solchen Verlag also ein Manuskript senden wollen?
Mit welchen Worten würdest du jemand anderem schmackhaft machen, dir das, was du geschaffen hast, abzukaufen? (Nimm ein Beispiel von dem, was du gerade - leider noch unveröffentlicht - in der Schublade hast.)
"Du kennst ja meine anderen Stories - lies mal das hier, das ist neu". Oder - für den seltenen Fall, daß ich mit Leuten spreche, die noch nichts von mir gelesen haben (grins!) - "Hier, nimm das mit: das ist noch so ein Roman, den die Welt nicht braucht - der den Autor aber reich machen soll"
Stell dir vor, du wärst Verleger. Würdest du dein eigenes Manuskript kaufen? (Und weshalb?)
Nein. Wäre ich Verleger würde ich nur Manuskripte kaufen, die ich ohne aufwendige Vermarktung mit riesigem Gewinn verkaufen kann. Also Bücher, die in den USA schon erfolgreich sind... (siehe auch oben). Wäre ich hingegen Verleger aus Altruismus oder fehlgeleitetem Idealismus, würde ich NUR noch Manuskripte von mir kaufen - weil ich nur da von der Qualität von vornherein überzeugt wäre :)
Wie hoch wäre deine finanzielle Schmerzgrenze, was würdest du dafür ausgeben, wenn du dafür dein Manuskript gebunden in der Hand halten und großzügig/stolz (an deine Mutter z.B.) verschenken könntest? (Wenn du nichts dafür zahlen würdest: Warum nicht?)
Wenn diese Frage das Wörtchen "gebunden" so versteht, daß es sich beim Buch um einen Hardcover mit einer Mindestauflage von 5000 Stück und einem mindestens dreimonatigen Medienübergreifenden Marketing handelt, würde ich sofort bis zu 10.000,-DM investieren. Wenn diese Frage hingegen sich darauf bezieht, was ich für die Produktion eines einzigen Buches für meine Mutter ausgeben würde, so kann ich guten Gewissens antworten: gar nichts. Meine Mutter bekommt von mir selbst produzierte Bücher. Andere auch.
Bist du der Überzeugung, dass ein Verlag, der von dir Druckkostenzuschuss verlangt, sich anschließend für die Bewerbung deines Buches stark macht?
Ich kann diese Frage nicht beantworten, da ich den vielleicht gemeinten Verlag nicht kenne. Daher kann ich auch keine Überzeugung in dieser Richtung haben. Ich kann mir aber allgemein nicht vorstellen, daß ein Verlag, der einen Druckkostenzuschuss erwartet, IRGENDEINE Werbung machen würde. Dies wäre ökonomisch sinnlos - denn ein Buch, dessen Produktion der Verlag sich vom Autor mitfinanzieren lässt, hat wohl kaum eine Chance auf dem Markt (nach Ansicht des Verlages), daher lohnt eine Vermarktung von vornherein nicht.# Ich kann mir fürderhin nicht vorstellen, daß IRGENDWER ernsthaft solche Erwartungen haben kann.
Um noch mal auf die Frage von eben zurück zu kommen: Könntest du dir wirklich vorstellen, dein eigener Verleger zu sein?
Ja
Was hältst du von Printing on Demand-Anbietern (wie z.B. BoD)?
Ich halte vom Prinzip des BoD durchaus viel - denn warum sollte man die vorhandenen Techniken nicht auch genau dazu verwenden, wenn sich damit nebenbei Geld verdienen lässt? Gerade für Autoren aus dem wissenschaftlichen Bereich (Dissertationsdruck etc) finde ich das Konzept absolut überzeugend - für 100 Ausgaben lohnt das Anwerfen einer Heidelberg oder Roland einfach nicht. Ich halte absolut rein gar nichts von diesem System, wie es sich praktisch derzeit darstellt: da werden Erzählungen, Romane oder Anthologien veröffentlicht, die (zu Recht?) keinen Verlag finden würden. Der Preis für ein Buch in Taschenbuchqualität in der Dicke von 120 Seiten ist mit oft gesehenen 29,80DM einfach nur lächerlich zu nennen. Ich würde selbst niemals für ein billig produziertes Dickes-Heft (seien wir doch mal ehrlich - BoD Bücher _sind_ billig produziert!) soviel bezahlen, wie von den meisten BoD-Anbietern verlangt - weder als Leser noch als Autor. Das Konzept wird interessanter werden, wenn sich "Kleinstverlage" zusammenschließen und durch Zweit- und Drittwerbung die momentan inakzeptablen Kosten auf ein vertretbares Maß zu drücken.
Was würdest du - falls du dich entschließen solltest, es einmal mit Printing on Demand zu versuchen - von einem Lektorat halten? Meinst du, ein Lektorat wäre sinnvoll? Und warum?
Ein Lektorat ist immer sinnvoll - egal, ob es sich um BoD handelt oder einen kommerziellen (Groß-)Verlag. Genau hieran sparen offensichtlich die bekannten Trivial-Verlage (Heyne et consortiae) - mehr als ein Bäckerdutzend Fehler auf einer Druckseite ist da ja bald normal. Und einem Autor fällt es meiner Meinung nach immer schwer, seinen Text unter lektorischen Gesichtspunkten zu redigieren. Ein Lektor ist immer auch ein professioneller Leser - der normalerweise die Qualität eines Textes nur verbessern kann.
Für wie wichtig hältst du das Layout des Satzes und des Covers?
Layout und Satz als solcher sind viel wichtiger als Heyne, Blanvalet und Bastei-Lübbe zugeben wollen. QUARK Express ist nunmal kein Satzprogramm - und MS Word ist es auch nicht. Ein richtig gesetzter Text ist eine Wohltat für Auge und Geist - ein handelsübliches Taschenbuch ist es nicht. Leider wird heute nur noch wenig "gesetzt" - und gerade bei Taschenbüchern haben wir da keine Wahl (wenn wir kaufen). Wenn wir aber selber produzieren - dann ist Satz und Layout das wichtigste nach dem Inhalt. Und das Cover verkauft das Buch - lieber ein minimales Cover (siehe alte Heyne-Bücher mit Nur-Titel) als ein schlechtes Cover (siehe Bahnhofsbuchhandlung).
Wieviel würdest du für dein eigenes Buch ausgeben, wenn es z.B. 150-200 Seiten hat?
Für ein 200-Seiten Büchlein gebe ich maximal 16,90DM aus. Wenn es sich um ein Fachbuch handeln würde (ist bei mir nur in Planung, noch nicht akut) gäbe ich für die gleiche Dicke bei umwerfendem Inhalt auch 79,-DM aus. Für mein eigenes Buch gäbe ich bei 200 Seiten maximal 19,90DM aus - weil ich den Autor kenne :-) Aber ein belletristisches Buch mit 150 Seiten würde ich niemal kaufen. Da wäre ja nach dem Inhaltsverzeichnis schon wieder Schluss.
Wie stellst du dir die Werbung für dein Buch vor?
Beziehe ich die Frage auf mein derzeitiges Großprojekt, dann stelle ich mir Links und Kurzrezensionen auf möglichst vielen sach-bezogenen Webseiten vor. Ich erhoffte mir auch Hinweise in Tageszeitungen und genre-verwandten Webseiten. Beziehe ich die Frage auf mein geplantes nächstes Projekt, dann schwebten mir Besprechungen in der ZEIT, MAX, den Gelben Seiten und der Tagesschau vor.