Antworten: Jürgen Heimlich




Was willst du deinen Lesern als Autor mitteilen? Welchen Weg würdest du dazu gern nehmen (Fachbuch, Roman, Kurzgeschichte, Lyrik)?


"Ich schreibe mich selbst" (Max Frisch)
Der Leser steht in einer Art Kommunkation mit dem Autor, und läßt sich mehr oder weniger oder auch gar nicht in dessen Gedankenwelt entführen. Ich als Autor hoffe darauf, dass die Menschen, die meine Gedanken lesen, Anteil daran nehmen, und für sich selbst daraus etwas gewinnen können (von Spaß bis zu Aha-Erlebnissen)

Seit wann schreibst du? (Musstest du "immer schon " schreiben? Unter diesem nicht recht zu beschreibenden "inneren Zwang"?)

Als ich zu schreiben begann, mußte ich irgendwie etwas herausbrüllen. Das war vor etwa 10 Jahren. Mittlerweile hat sich das vollkommen geändert. Ich versuche mich zu entwickeln, und bin der Meinung, dass das Zeit braucht. Zwangsweise produktiv zu sein führt zu nichts; manchmal "überwinde" ich mich sozusagen ein bisschen, um zu schreiben. Diese Überwindung fällt mir allerdings recht leicht. Schreiben heisst ja das Leben sublimieren. Erfahrungen und das Umgehen damit ergeben einen Wechselprozeß, der zu irgendeinem Zeitpunkt im Schreibprozeß eine gewisse Ausprägung erfährt.

Haben schon andere Leute als deine Freunde/Verwandten/Nachbarn das, was du schreibst, für lesenswert befunden? (Mit anderen Worten: Gibt es schon Veröffentlichungen von dir?)

Mein "kleiner Bruder" hat meine Weihnachtsgeschichte, die bei BOD aufliegt, gelesen. Sie hat ihm sehr gut gefallen. Er hat sie sogar auf einen Schwung gelesen. Neben der Weihnachtsgeschichte gibt´s auch ein E-book von mir bei thebook.de  

Hast du schon mal ein Manuskript an einen Verlag geschickt? Und? Was ist passiert?


Schon unzählige Male. Aber mittlerweile mach´ ich es nicht mehr. Schließlich: Dauernd die selben Absagen, und ich weiss ja jetzt, wie der Hase läuft. Es kommt viel auf Protektion und Glück an.
Und die Idee zählt für die meisten Verlage mehr als die literarische Umsetzung. So wurde ein sehr autobiographischer Roman von mir schon mit der Begründung abgelehnt, das er zu persönlich sei, und überhaupt nur die wenigsten meine Gedanken bis ins letzte Detail verstehen würden... Gibt´s denn sowas, habe ich mir da gedacht. Es hat auch Pseudoverleger gegeben, die anhand irgendeines wild aus einem Manuskript herausgekitzelten Satzes nachweisen wollten, das mein Stil noch verbesserungswürdig sei... Lächerlich, was? Also entweder trifft man auf Germanisten oder Ideensucher, für die nur die Sensation zählt. Nicht umsonst hat ja die Geschichte: Ich war der Ötzi, von irgendeiner absurden Frau geschrieben, Anerkennung erfahren!?!? Wie auch immer: Es gab auch schon teilweise positive Reaktionen in dem Sinne, das mir geschrieben wurde, wenn ich dieses oder jenes umschreiben oder wegstreichen würde, dann wäre es vielleicht zu verkaufen, aber so... Na ja.

Mit welchen Worten würdest du jemand anderem schmackhaft machen, dir das, was du geschaffen hast, abzukaufen? (Nimm ein Beispiel von dem, was du gerade - leider noch unveröffentlicht - in der Schublade hast.)

"Wenn du ein Nonkonformist bist, dann ist dieses Buch ein Muß; wenn du ein Konformist bist, umso mehr."

Stell dir vor, du wärst Verleger. Würdest du dein eigenes Manuskript kaufen? (Und weshalb?)

Ich bin ja jetzt bei BOD sozusagen mein eigener Verleger. Ich wäre sicher sehr an meinem Manuskript interessiert, weil ich Bücher liebe, wo ich mit sehr persönlichen, ungewöhnlichen; womöglich erkenntnisreichen Gedanken konfrontiert werde.

Wie hoch wäre deine finanzielle Schmerzgrenze, was würdest du dafür ausgeben, wenn du dafür dein Manuskript gebunden in der Hand halten und großzügig/stolz (an deine Mutter z.B.) verschenken könntest? (Wenn du nichts dafür zahlen würdest: Warum nicht?)

Ich hab´ einmal ATS 37.000--; das sind etwa 5.500 Mark - für einen Lyrikband mit Druckkostenzuschuß gezahlt. Das wird einmalig bleiben. Die Bücher liegen in der Wohnung herum, weil ich nur wenige Exemplare verkaufen konnte. Damals war es mir die Sache wert; heute nicht mehr. Mehr als fünfhundert Mark würde ich kaum zahlen wollen.

Bist du der Überzeugung, dass ein Verlag, der von dir Druckkostenzuschuss verlangt, sich anschließend für die Bewerbung deines Buches stark macht?

Siehe Frage 7. Der Verlag hat für mich überhaupt nichts getan. Muß er ja auch nicht; schließlich bin ich für den Verkauf der Bücher verantwortlich. Das habe ich damals aber anders gesehen, und mich vom Verleger einwickeln lassen.

Um noch mal auf die Frage von eben zurück zu kommen: Könntest du dir wirklich vorstellen, dein eigener Verleger zu sein?

Ich bin´s und hoffe auf Resonanz.  

Was hältst du von Printing on Demand-Anbietern (wie z.B. BoD)?


Ist eine sehr gute Idee, die aber noch in den Anfängen steckt. Für die Zukunft ist aber sicher noch einiges zu erwarten.

Was würdest du - falls du dich entschließen solltest, es einmal mit Printing on Demand zu versuchen - von einem Lektorat halten? Meinst du, ein Lektorat wäre sinnvoll? Und warum?

Mein E-book bei thebook.de wurde lektoriert, und das Ergebnis kann sich sicher sehen lassen. Die Erzählung ist jetzt flüssiger, dynamischer und literarisch gesehen einfach besser. Und es war toll, den Prozeß vom unlektorierten Buch zum lektorierten selbst mitgestalten zu können.

Für wie wichtig hältst du das Layout des Satzes und des Covers?

Es zählt immer noch der Inhalt. Es gibt halt keinen Schönheitspreis zu gewinnen.

Wieviel würdest du für dein eigenes Buch ausgeben, wenn es z.B. 150-200 Seiten hat?

Na ja, als Taschenbuch 15-20 Mark; als gebundene Ausgabe ohne weiters 35 Mark. Ich orientiere mich da ganz an den am Markt üblichen Preisen.

Wie stellst du dir die Werbung für dein Buch vor?

Ist leider nicht so einfach. Wär´ aber super, wenn´s im Fernsehen so eine Kampagne gäbe wie für dieses unmögliche Santorin-Büchlein; da läuft ja die Werbung schon seit Jahren (und ich frag´ mich ehrlich, was da dahintersteckt). Nein, ganz im Ernst: Werbung ist wichtig, und jeder sollte versuchen, das Beste herauszuholen, um sein Buch an die Frau/den Mann zu bringen. Ist halt als Einzelperson nicht so einfach; schön wären ein paar bekannte Namen, die es umsonst anwerben...


 

Zum Fragebogen
Zurück