Was willst du deinen Lesern als Autor mitteilen? Welchen Weg würdest du dazu gern nehmen (Fachbuch, Roman, Kurzgeschichte, Lyrik)?
Das ist eine schwierige Frage: "Was will ich meinen Lesern mitteilen?" Denn... Ja, mir schwirrt so viel im Kopf herum. Genau genommen: In meinem Kopf geht's zu wie in einem Taubenschlag. Das ist ein Gegurre und Geflatter, und da muss doch einfach mal die Klappe aufgehn, damit die Vögel fliegen können, nicht wahr? Gar nicht zu reden von dem ganzen Dreck, den das Federvieh so macht. Der muss natürlich auch raus. Also alles eigentlich. Soll doch die Welt sehn, wie sie damit klar kommt. Sowohl Vögel als auch Dreck gibts in handlichen Kurzgeschichten und Gedichten, aber auch - für den, der's größer mag - als Roman.
Seit wann schreibst du? (Musstest du "immer schon " schreiben? Unter diesem nicht recht zu beschreibenden "inneren Zwang"?)
Mein Dilemma mit dem Taubenschlag fing schon in Kindestagen an. Kaum war die erste Taube mir zugeflogen (einfach so), kamen mehr und mehr davon. Und genauso lange bin ich jetzt selbst auch schon am flattern. Allerdings - für ein paar Jahre hatte ich den Taubenschlag vernagelt. War sehr erholsam für mich. Und ich ahnte nichts von dem sich anbahnenden Unheil. Im Verschlag nämlich hatten sich derweil die Vögel vermehrt. Manche waren, weil jahrelang ohne Licht, annähernd zu Zombies mutiert. Andere saßen nur schüchtern in der Ecke. Wieder andere spreizten sofort das Gefieder, als endlich die Klappe aufging. Hunderte wirbelnder Fittiche... es war wirklich herrlich anzusehen!
Haben schon andere Leute als deine Freunde/Verwandten/Nachbarn das, was du schreibst, für lesenswert befunden? (Mit anderen Worten: Gibt es schon Veröffentlichungen von dir?)
Wer auch immer bisher etwas von mir gelesen hat, wurde daraufhin zu einem Freund. Und wenn nicht... Ey, hau doch ab, du Penner! Also, klar gibts Veröffentlichungen von mir... Aber es hat noch nie ein Mensch etwas bezahlen müssen (höchstens ne Mark... damals zu Schülerzeitungszeiten) um das zu lesen.
Hast du schon mal ein Manuskript an einen Verlag geschickt? Und? Was ist passiert?
Ohje... Ist das ein Fragebogen, oder sollen hier Leidensgeschichten erzählt werden? Aber ok... Als ich so ca. 1984 meinen ersten Roman an ca. 10 Verlage schickte (natürlich nur an die schicksten und größten), bekam ich 10 Mal meinen Roman zurück.
Einmal sogar mit dem sehr freundlichen Hinweis auf einen anderen Verlag, der vielleicht interessiert sein könnte. - Er war es nicht.1998 erhielt ich eine Verlagsaufforderung, einen angefangenen Roman (10 Jahre lang hatte er auf meiner Festplatte geruht und gereift) fertigzustellen. Das tat ich dann auch. Nur den anfragenden Verlag... den gab es leider plötzlich nicht mehr.
Also habe ich den Roman, wie er war, an ca. 10 Verlage geschickt (natürlich nur die schicksten und größten) und ... Ihr könnt Euch denken, wie die Geschichte weitergeht?Mit welchen Worten würdest du jemand anderem schmackhaft machen, dir das, was du geschaffen hast, abzukaufen? (Nimm ein Beispiel von dem, was du gerade - leider noch unveröffentlicht - in der Schublade hast.)
Ja was denn? Ich schreib mir doch grad schon die Finger wund und die Seele aus dem Leib ... um diesen Fragebogen möglichst mit Schmackes zu beantworten. Soll ich jetzt etwa noch einen Kladdentext verfassen? Neeee.... Und abgesehen davon: Ich bin zum Verkaufen so begabt wie die Kuh zum Eier legen. Es kann halt doch nicht jeder alles... nicht mal ich.
Stell dir vor, du wärst Verleger. Würdest du dein eigenes Manuskript kaufen? (Und weshalb?)
Wäre ich ein Verleger, so
- würde ich nicht das Manuskript meines ersten Romans kaufen (zu unausgereift).
- würde ich vielleicht das Manuskript meines zweiten Romans kaufen (wenn ich dafür eine Zielgruppe sähe).
- würde ich, wenn ich Lyrik verlegte, ganz gewiss einen Lyrikband von mir kaufen (weil ich einfach saugute Lyrik schreibe.)
- würde ich mich auffordern, noch ein paar mehr gute Kurzgeschichten zu schreiben (weil es schon so gute gibt, die aber noch keinen ganzen Band füllen).
- würde ich auf die Fertigstellung des dritten Romans drängen (weil der 1. gut ist und 2. auch noch voll im Trend liegt).Wie hoch wäre deine finanzielle Schmerzgrenze, was würdest du dafür ausgeben, wenn du dafür dein Manuskript gebunden in der Hand halten und großzügig/stolz (an deine Mutter z.B.) verschenken könntest? (Wenn du nichts dafür zahlen würdest: Warum nicht?)
Bezahlen, damit andere sich die Früchte meiner Kreativität und Arbeit anschauen können? Aber wieso denn?... Das kann ich doch ganz einfach haben, indem ich meine Homepage mit meiner Literatur bepacke. Oder glaubt Ihr etwa, in Buchform lesen es mehr Leute? Und was hab ich davon? Etwa... Ruhm? Nein, um ein Buch zu verschenken, würde ich nichts zahlen. Aber ich würde etwas bezahlen, um es zu verkaufen. Und dafür liegt meine Schmerzgrenze ... (grobe Schätzung, Pi mal Daumen) bei vielleicht max. 3000 Mark.
Bist du der Überzeugung, dass ein Verlag, der von dir Druckkostenzuschuss verlangt, sich anschließend für die Bewerbung deines Buches stark macht?
Neinnnnn. Und (unter uns gesagt)... angesichts der Produkte, die ich von solchen Verlagen in Händen hielt, würde ich da auch nicht veröffentlichen wollen. Viele dieser Werke würden wirklich besser von den Socken in der Schublade gelesen werden.
Um noch mal auf die Frage von eben zurück zu kommen: Könntest du dir wirklich vorstellen, dein eigener Verleger zu sein?
Wieso "wirklich"? Hab ich das je von mir behauptet, dass ich es könnte? Aber könnte ich es mir vorstellen?... Jein!
Denn sogar wenn ich schreiben kann wie die wilde Wutz, bin ich - wie schon gesagt - verkäuferisch eine Null. Ich hätte auch keine Zeit, ein Marketing zu betreiben. Ich bin ja schon froh, wenn ich überhaupt Zeit zum Schreiben hab.Was hältst du von Printing on Demand-Anbietern (wie z.B. BoD)?
Es ist besser als Druckkostenzuschussverlage... behaupte ich mal so. Jedenfalls sehe ich in einer solchen Veröffentlichung keine "Degradierung" des Werks. Aber ... das Marketing, das Marketing (Denn was nutzt das schönste Buch, wenn keiner es kennt
und keiner es kauft?)Was würdest du - falls du dich entschließen solltest, es einmal mit Printing on Demand zu versuchen - von einem Lektorat halten? Meinst du, ein Lektorat wäre sinnvoll? Und warum?
Ein Lektorat ist fast unverzichtbar. Zum Einen, weil man dazu neigt, die eigenen Fehler zu übersehen. Zum Anderen, weil jeder Mensch Fehler macht, sogar in dem guten Glauben, es richtig zu machen. Zum Letzten, weil nur der Kopf eines Anderen mit dem Kopf eines Anderen denken kann. Sprich: Ein Zweitleser ist viel eher im Stande, Ungereimtheiten zu entdecken, die dem Autor völlig klar sind.
Für wie wichtig hältst du das Layout des Satzes und des Covers?
Wer will schon ein Buch auf den Kopf stellen müssen, um es zu lesen?
Schriftgröße, Gliederung etc. sind enorm wichtig. Und das Cover sollte
zumindest ansprechend sein. Natürlich kann auch ein sehr einfaches Cover sehr ansprechend sein.Wieviel würdest du für dein eigenes Buch ausgeben, wenn es z.B. 150-200 Seiten hat?
Ich kaufe Bücher zu marktüblichen Preisen. Dass ein Autor unbekannt ist, ist wahrscheinlich nicht gerade ein Argument, gerade für sein Buch mehr herauszulegen. Oder?
Wie stellst du dir die Werbung für dein Buch vor?
Gute Frage... nächste Frage? Ach nein, da kommt ja gar keine Frage mehr :-)
Natürlich wäre es toll ...
- mein Buch prangte in den Auslagen des Buchhandels!
- mein Buch bekäme Rezensionen in Kultur- und Tageszeitungen!
- mein Buch....na ja, nur träumen ist schöner :-)