Antworten: Frank Reinhard
 

1. Was willst du deinen Lesern als Autor mitteilen? Welchen Weg würdest du dazu gern nehmen (Fachbuch, Roman, Kurzgeschichte, Lyrik)?


 
Erstens möchte ich den LeserInnen mitteilen, dass es mich gibt! Zweitens möchte ich den LeserInnen mitteilen, dass sie meine Bücher lesen sollen! Und drittens möchte ich den LeserInnen mitteilen, dass sie das, was ich schreibe, einfach irrsinnig gut finden sollen!

2. Seit wann schreibst du? (Musstest du "immer schon " schreiben? Unter diesem nicht recht zu beschreibenden "inneren Zwang"?)


 
Seit 1987. "Immer schon" schreiben musste ich nicht. Einen "inneren Zwang" gibt es irgendwie auch nicht so richtig. Aber wenn ich, wie momentan, längere Zeit nicht schreibe, weil mir Zeit & Ruhe dafür fehlen, fühle ich mich, wie soll ich sagen? nicht ganz. Als wäre ein Teil von mir auf der Strecke geblieben.

3. Haben schon andere Leute als deine Freunde/Verwandten/Nachbarn das, was du schreibst, für lesenswert befunden? (Mit anderen Worten: Gibt es schon Veröffentlichungen von dir?)


 
Irgendwie schon: 'In den Morgen hinein ballt sich die Wahrheit zusammen' (ISBN 3-89811-200-4), einen Gedichtband; das Buch wird bei Libri als BoD hergestellt und vertrieben, ist also im Selbstverlag erschienen. Aber dafür, dass es Lyrik ist, lässt sich der Verkauf seit Februar 2000 gut an.

4. Hast du schon mal ein Manuskript an einen Verlag geschickt? Und? Was ist passiert?


 
Mal? Wie viel mal? Die großen Verlage kannst du vergessen. Kleinere manchmal auch: Die Edition Nautilus z.B. hat einen Gedichtband bereits nach 2 Tagen zurückgeschickt, mit dem Vermerk, sie hätten mein Buch gelesen und es würde nicht in ihr Programm passen. (Das war aber wirklich der schnellste Verlag!)
Ansonsten waren es eigentlich nur Formbriefe/Ablehnungen. (Angebote von so genannten Zuschussverlagen hatte ich mehrere vorliegen, waren aber alle indiskutabel.)

5. Mit welchen Worten würdest du jemand anderem schmackhaft machen, dir das, was du geschaffen hast, abzukaufen? (Nimm vielleicht ein Beispiel von dem, was du gerade - leider noch unveröffentlicht - in der Schublade hast.)


 
Ich würde einen Freund bitten, mir eine Besprechung zu schreiben. Etwa so:
Eigentlich muss es enttäuschen. Das haben Unterhosen so an sich. Aus den Texten stinkt es gewaltig, doch nicht unangenehm. Das mag noch einmal enttäuschen, muss aber nicht.
In Frank Reinhards 29-teiliger Beschimpfung reibt sich nämlich die Schwere von Vorwürfen und Klagen an dem Wohlklang von Worten und Rhythmus. Der Ton schmeichelt, der Text jedoch sticht. Losgelöst aus der Situation sind die Fragmente geeignet, dem Leser zu passen. Er spießt andere auf oder wird selbst zum Opfer, je nach Gedächtnis- und Gewissenslage.
Frank Reinhard spielt die verschiedensten Schattierungen (mann-)menschlicher Gemeinheiten aus und versteht es dadurch, interessant zu bleiben. Emotionale Eruptionen wechseln mit leisem Gewimmer, rationelle Entlarvungen mit lustvollem Faschieren.
Wer mit dem Buch einen Guss in Händen haben will, wird wieder enttäuscht sein. Es sind eher Bruchstücke, Ergebnisse aus Streit und Schimpfe eben. Da ist auch in der Makrostruktur nichts gekittet, harmonisiert. Kein situativer Erlebnisschlüssel oder gar eine ideologische Zielmarke, die aus Scherben dann doch noch ein Ganzes fügen würde.
Stattdessen Fragmente, die aus der Energie des Wutmoments noch als kleine Einheiten erkennbar sind, dann aber in die Widersprüchlichkeit des Gesamten hinein zerbrechen. So bleibt der Leser teils im Dickicht, teils im Höhenwind hängen, genießt die Enge oder quält sich durch die freie Luft.
Der Autor liebt es dabei, mit den Erwartungen des Lesers zu spielen. Er führt in Sackgassen und öffnet am hoffnungslosen Ende die Falltür: "Mensch: Ärger dich doch nicht."
Da verliert die Wut für einen, aber für den entscheidenden Moment ihre Strenge und provoziert ein kurzes Ziehen des Mundwinkels.
Anderswo lässt er den Leser wieder baumeln in der Ungewissheit, Vergeblichkeit, Kälte dessen, was manche Leben und manche "Ölsäure" nennen.
Frank Reinhard wühlt auf und sprengt Fertiges. Er überrascht und reißt mit. Ein Buch wie ein heilsamer Streit.
(Michael Fuchs - Besprechung des noch unveröffentlichten Prosabands 'Nach innen rutschend, in die Unterwäsche deiner Erinnerung, 1997.)

6. Stell dir vor, du wärst Verleger. Würdest du dein eigenes Manuskript kaufen? (Und weshalb?)


 
Nein, würde ich nicht. Lyrik verkauft sich einfach zu schlecht.

7. Wie hoch wäre deine finanzielle Schmerzgrenze, was würdest du dafür ausgeben, wenn du dafür dein Manuskript gebunden in der Hand halten und großzügig/stolz (an deine Mutter z.B.) verschenken könntest? (Wenn du nichts dafür zahlen würdest: Warum nicht?)


 
Also, für das BoD habe ich ca. DM 600,- bezahlt. Bis DM 1000,- würde ich wahrscheinlich gehn.

8. Bist du der Überzeugung, dass ein Verlag, der von dir Druckkostenzuschuss verlangt, sich anschließend für die Bewerbung deines Buches stark macht?


 
Ich habe einige Gedichte in einer Anthologie des KARIN FISCHER Verlags veröffentlicht. (Hat etwa genauso viel gekostet wie mein BoD.) Die Buchhandlungen kennen den Verlag meistens nicht und Bücher des Verlags habe ich noch nie irgendwo ausliegen sehen.

9. Um noch mal auf die Frage von eben zurück zu kommen: Könntest du dir wirklich vorstellen, dein eigener Verleger zu sein?


 
"Apselut", wie Lisabeth sagen würde.

10. Was hältst du von Printing on Demand-Anbietern (wie z.B. BoD)?


 
Gute Idee. Wirklich gute Idee, wobei das auch die Qualitätsfrage berührt. Das Verfahren kann sich nämlich jeder leisten, der sein eigenes Buch gebunden sehen und vielleicht an verschiedene Menschen verschenken will. Dazu müssen seine Werke nicht unbedingt 'gut' sein. (Aber wie sagte schon Rainer Maria Rilke: "Auswahl und Ablehnung gibt es nicht.")
BoD ist günstig, die Qualität der Herstellung ist zufriedenstellend - die Dienstleistung nicht allzu sehr. Vertragsvereinbarungen werden in verschiedenen mir bekannten Fällen sehr großzügig ausgelegt; Rückfragen oder Beschwerden werden manchmal mit Ausflüchten, meist aber gar nicht erst beantwortet. Das trübt den Eindruck und das Vergnügen dann doch etwas.

11. Was würdest du - falls du dich entschließen solltest, es einmal mit Printing on Demand zu versuchen - von einem Lektorat halten? Meinst du, ein Lektorat wäre sinnvoll? Und warum?


 
Ein Lektorat wäre sicher sinnvoll im Hinblick auf die oben angesprochene Qualitätsfrage. (Man muss ja nicht immer auf Rilke hören!)

12. Für wie wichtig hältst du das Layout des Satzes und des Covers?


 
Keine Frage: Cover und Layout sind das Erste, was einem/r potenziellen Leser/in ins Auge fällt. Ist das Buch ansprechend gestaltet, wird es eher gekauft. Das ist eine einfache Rechnung.

13. Wieviel würdest du für dein eigenes Buch im Buchhandel ausgeben, wenn es z.B. 150-200 Seiten hat?


 
Bei 150-200 Seiten? Hmmm... je nachdem, um welches meiner zahlreichen :-) Bücher es sich da handeln würde: bis zu DM 25,-? Ja, doch, um den Dreh ...

14. Wie stellst du dir die Werbung für dein Buch vor?


 
Aufwändig, teuer: Litfasssäulen, Hauswände, ganzseitige Anzeigen in der ZEIT, Rezensionen, Interviews im Fernsehn & im Radio ... und wenn ich sowieso grade träume: vielleicht Fotos, auf denen ich Goethe oder Schiller die Hand schüttle.

 


 
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