Antworten: C.
B. Lampert
Was willst du deinen Lesern als Autor mitteilen? Welchen Weg würdest du dazu gern nehmen (Fachbuch, Roman, Kurzgeschichte, Lyrik)?
Wenn ich mich mitteile, mit wem teile ich mich da?Die letzte (erste, wie man's nimmt) längere Geschichte habe ich nicht geschrieben, um sie zu teilen, sondern um sie loszuwerden. Ihr einen Weg zu weisen in eine Welt, die keine Antworten liefert und zu Menschen, die nichts mit mir zu tun haben. Wenn der ein oder andere Gedankenansatz zum Nachdenken, Träumen oder Widersprechen anregt - um so besser!
Seit wann schreibst du? (Musstest du "immer schon " schreiben? Unter diesem nicht recht zu beschreibenden "inneren Zwang"?)
Beruflich: seit etwa zwei Jahren - und das ist nicht immer lustig.
Privat: Worte sind meine Art, die Welt zu verstehen. Kann ich etwas nicht in Worte fassen, kann ich es nicht fassen. Zwang? Nein. Aber ich habe Vergnügen daran, Worte zu drehen und zu wenden, mit ihnen zu spielen - und manchmal geht das mächtig daneben, weil sie mächtiger sind als angenommen....
Haben schon andere Leute als deine Freunde/Verwandten/Nachbarn das, was du schreibst, für lesenswert befunden? (Mit anderen Worten: Gibt es schon Veröffentlichungen von dir?)
Ihr meint außer dem Bericht über die Jahreshauptversammlung der örtlichen Kleintierzüchter, dem Portrait über den pensionierten Pfarrer, Kaufberatungen über nachrüstbare Anhängerkupplungen und peinlichen Werbeschriften für "Hofer"?Das Buch das zur Zeit in Arbeit ist, haben tatsächlich schon einige "Fremde" gelesen - und sie haben nicht nach dem zweiten Kapitel aufgehört.
Hast du schon mal ein Manuskript an einen Verlag geschickt? Und? Was ist passiert?
So unglaubwürdig es ist: ich habe Exposé und Textprobe am Mittwoch abgeschickt. Am Samstag wurde ich mit den Worten "Wir nehmen ihr Buch" aus dem Bett geholt. Ich habe eloquent wie immer reagiert: "Äh? Sind Sie sicher? Wollen Sie sich das nicht noch einmal überlegen?" Ich war schon immer ein Verhandlungstalent. Aber mein Gesprächspartner wollte nicht überlegen, sondern verlegen. Ein Wunder!Der Vollständigkeit halber fühle ich mich genötigt, anzufügen, dass ich mittlerweile (Monate später) für denselben Text auch zahlreiche Absagen bekommen habe. Aber zum Glück brauche ich nur einen Verlag - und auch wenn der grad rumzickt wie eine alte Jungfer, glaube ich doch, dass aus dem Projekt tatsächlich was wird.
Mit welchen Worten würdest du jemand anderem schmackhaft machen, dir das, was du geschaffen hast, abzukaufen? (Nimm ein Beispiel von dem, was du gerade - leider noch unveröffentlicht - in der Schublade hast.)
Nein! Nicht noch einmal! An der Exposéerstellung habe ich länger gearbeitet als an der ersten Textfassung. Werben ohne arrogant zu wirken, eine Geschichte zusammenfassen, die nicht von der Handlung sondern von der Sprache lebt und das Ganze auch noch im Stil des "Werks", eine Zielgruppe definieren und gleich noch Vermarktungsideen entwickeln - ich bin sehr froh, dass ich das hinter mich gebracht habe (war eine der größten "literarischen" Herausforderungen bislang).
Stell dir vor, du wärst Verleger. Würdest du dein eigenes Manuskript kaufen? (Und weshalb?)
Mit Vorbehalt. "Als ich mit dem Manuskript begonnen habe, hatte ich eigentlich keine Lust mehr, zu lesen. An dem Tag hatte ich mich schon mit zwei anderen Manuskripten herumgeärgert und hatte die Nase voll. Aus Pflichtbewusstsein wollte ich zumindest einen Blick in den Text werfen - und habe ihn in einem Zug durchgelesen und Freude daran gehabt." (Kommentar der Lektorin.)Ich denke also, es ist berechtigt, zu glauben, dass es für die Geschichte einen Markt gibt. Bei 60.000 Neuerscheinungen im Jahr verkauft sich ein Erstlingsbuch aber nicht von allein. Als Verleger würde ich es also nur nehmen, wenn ich mir sicher wäre, diesen Markt auch erreichen zu können.
Wie hoch wäre deine finanzielle Schmerzgrenze, was würdest du dafür ausgeben, wenn du dafür dein Manuskript gebunden in der Hand halten und großzügig/stolz (an deine Mutter z.B.) verschenken könntest? (Wenn du nichts dafür zahlen würdest: Warum nicht?)
Aus naheliegenden Gründen (Kontoauszug) - gegen Null tendierend.
Bist du der Überzeugung, dass ein Verlag, der von dir Druckkostenzuschuss verlangt, sich anschließend für die Bewerbung deines Buches stark macht?
Warum sollte er? Er hat ja schon am Autor verdient.(Es gibt da einen herrlichen Abschnitt zum Thema "Autoren auf eigene Kosten" in Umberto Ecos "Das foucaultsche Pendel". Sollte jeder Neuautor gelesen haben...)
Um noch mal auf die Frage von eben zurück zu kommen: Könntest du dir wirklich vorstellen, dein eigener Verleger zu sein?
Bei meinem Verhandlungsgeschick? Nein. Und das obwohl ich sogar jemanden hätte, der bereit wäre, in das Projekt zu investieren. Trotzdem: wenn ich mir ansehe, was für ein Verwaltungsaufwand da auf mich zukommt, bleibt das die letzte Notlösung.
Was hältst du von Printing on Demand-Anbietern (wie z.B. BoD)?
Ich halte es für schwierig, die seriösen von den ominösen zu unterscheiden. Findet man ersteren: eine kostengünstige, risikoarme und damit erwägenswerte Variante. Gerät man an letzteren: eine gute Übung für Frustrationstoleranz.
Was würdest du - falls du dich entschließen solltest, es einmal mit Printing on Demand zu versuchen - von einem Lektorat halten? Meinst du, ein Lektorat wäre sinnvoll? Und warum?
Ein Lektorat ist immer sinnvoll. Und zwar meines Erachtens - und entgegen der hier vorherrschenden Meinung - nicht nur ein orthographisches und grammatikalisches, sondern auch ein stilistisches. Vieles verselbständigt sich beim Schreiben, manches läuft aus dem Ruder. Und das erkennt ein "Externer" besser. Was Kürzungen angeht: Mut zur Lücke! Die wenigsten Texte gewinnen durch Länge, die meisten durch Dichte. Vieles ist schlicht überflüssig - und mehr etwas, das der Autor braucht, als dass es der Leser braucht.Auch was das Lektorat durch Freunde angeht, habe ich eine etwas andere Einstellung als viele. Meine besten Freunde waren die, die das Manuskript als Letzte gelesen haben. (Immerhin muss ich ihnen täglich in die Augen sehen, wenn sie es scheiße finden!) Das mag auch daran liegen, dass ich genau weiß, dass sie fatale Wortfetischisten sind und Freund genug, mir jede unlogische Erklärung, jeden stilistischen Bruch und jede holprige Formulierung um die Ohren zu schlagen. Ein Beispiel? Zu einem Handlungsstrang hieß es: "Geradezu abstoßend banal." Und - das war berechtigt. (Leider!) Ich habe es als schwierig empfunden, Kritik am Text nicht als Kritik an mir, meinen Einstellungen und Gedanken zu empfinden. Ein harter Lernprozess, das zu trennen. Aber: Lob ist gut für das Ego, Kritik gut für den Text. Und der Text ist mit jeder Kritik besser geworden.
Ein Korrektorat sollte man auf alle Fälle machen lassen - nichts ist peinlicher als Dinge wie "Achilles Verse"... Und grade beim nachträglichen Verschieben von Satzbausteinen schleichen sich gerne Fallfehler ein, die das Rechtschreibprogramm nicht anzeigt und die man überliest. Ich persönlich wollte schon allein wegen meinem innovativen Verhältnis zur Zeichensetzung nicht auf ein Korrektorat verzichten.
Für wie wichtig hältst du das Layout des Satzes und des Covers?
Liebe auf den ersten Blick.Ist leider so. Wenn etwas optisch nicht anspricht, neugierig macht, nehme ich es nicht in die Hand. Und was ich nicht in die Hand nehme, kaufe ich nicht.
Mein Lieblingsbuch "Die Brautprinzessin" hat ein ganz scheußliches Cover. Vermutlich hätte ich es nie gekauft. Zum Glück habe ich es geschenkt bekommen. Das mag borniert sein - aber bei den unendlich vielen Büchern in einer Buchhandlung fühle ich mich regelmäßig erschlagen. Ich greife nach Büchern wenn ich entweder
- den Autor kenne und schätze.
- mich der Titel neugierig macht.
- mich das Cover anspricht.Dann erst schlage ich es auf. Und wenn es dann in winziger Fitzelschrift gedruckt ist, oder die Buchstaben verschwimmen, stelle ich es zurück (ich bin kurzsichtig).
Wieviel würdest du für dein eigenes Buch ausgeben, wenn es z.B. 150-200 Seiten hat?
Als Taschenbuch: 8,90
Gebunden mit Schutzumschlag: 16,90
Wie stellst du dir die Werbung für dein Buch vor?
Da gedenke ich - neben Lesungen und Internetpräsentation - alte Pressekontakte zu beleben und neue zu schaffen
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