Antworten: B. Fliehmann


Was willst du deinen Lesern als Autor mitteilen? Welchen Weg würdest du dazu gern nehmen (Fachbuch, Roman, Kurzgeschichte, Lyrik)?

Ich würde gerne Menschen, die viel Leid erlebt haben in der Familie durch Tod, Unfälle oder Co-Abhängigkeit das Gefühl geben: Sieh her, Du bist nicht allein. Es gibt auch viele andere. Trotz Deiner Niederschläge und tiefen Lebenslöcher ist das Leben schön und lebenswert.

Seit wann schreibst du? (Musstest du "immer schon " schreiben? Unter diesem nicht recht zu beschreibenden "inneren Zwang"?)

Vor zwei Jahren habe ich eine Therapie für Co-Abhängige gemacht. Als ich anfing alles aufzuschreiben ließ es mich nicht mehr los.

Haben schon andere Leute als deine Freunde/Verwandten/Nachbarn das, was du schreibst, für lesenswert befunden? (Mit anderen Worten: Gibt es schon Veröffentlichungen von dir?)

2 Kolleginnen, der Personalchef und 2 Therapeuten aus einer Suchklinik meinten, dass es spannend wäre und ich es veröffentlichen sollte. Ich habe bisher noch nie veröffentlicht.

Hast du schon mal ein Manuskript an einen Verlag geschickt? Und? Was ist passiert?

Ich habe mein Manuskript an mehrere Verlage geschickt. Ich bekam es meistens mit der Bemerkung zurück, dass sie bis zum nächsten Jahr ausgelastet wären oder dass es nicht ins Programm passt. Auch der Frieling-Verlag machte mir ein Angebot, in dem der Preis an Eigenbeteiligung allerdings dermaßen hoch war, dass es uninteressant ist, darüber überhaupt nachzudenken. Das kam mir vor, als wenn man mich ausziehen will. Zum Schluß blieb ein ganz kleiner Verlag übrig, der mein Buch evtl. herausbringen wird.

Mit welchen Worten würdest du jemand anderem schmackhaft machen, dir das, was du geschaffen hast, abzukaufen? (Nimm ein Beispiel von dem, was du gerade - leider noch unveröffentlicht - in der Schublade hast.)

Auszüge aus meinem Manuskript:
1)"Es zerriß mir fast das Herz. Mein Kind war tot und sein Bruder hatte vielleicht Schuld daran, aber er war auch mein Kind und schwer verletzt. Meine Gefühle spielten Karussell. Da war unendliche Trauer wegen meines kleinen Sohnes, große Wut aber auch viel Mitleid und Liebe meinem Großen gegenüber. Aber wenn ich jetzt etwas falsches sage, wie soll er dann weiterleben? Ich nahm alle meine Kraft zusammen, nahm ihn in den Arm und beruhigte ihn: „Schatz, ich weiß noch nicht, wie das passieren konnte, aber Du kannst nichts dazu. Es war Gottes Wille. Wäre das jetzt nicht passiert, wäre er vielleicht Heute oder Morgen von einem Auto überfahren worden. Ich glaubte selbst nicht, was ich da sagte, aber ich konnte doch nicht zulassen, daß er sich schuldig fühlte.

2)Ich war völlig aufgelöst, setzte mich ins Auto und fuhr meine Tochter bei ihrer Freundin abholen. Mein Mann war irgendwo auf Tour. Wir fuhren sofort zum Krankenhaus. Wir mußten lange warten, da Marc noch im OP war. Als man uns in die Intensivstation hereinließ und wir ihn im Bett sahen, erschreckten wir sehr. Er hatte den Kopf verbunden, überall kamen Schläuche heraus und er wurde beatmet. Ein Arzt erklärte uns, daß sein Stammhirn abgerissen war. Sie hätten getan, was möglich war. Hätten es wieder angenäht, aber sie wüßten nicht, wie groß die Beschädigung wirklich wäre. Sie konnten mir nicht einmal sagen, ob er jemals aufwachen würde. Falls aber doch, wüßte man auch nicht, was er noch könnte und was nicht. Es könnte auch sein, daß er bösartig würde. Man konnte uns also überhaupt nichts sagen. Wir fuhren nach Hause. Zu Hause schrie ich wie von Sinnen und schlug meinen Kopf immer gegen die Wand. „Lieber Gott, wozu hast Du mich 3 Kinder bekommen lassen, wenn Du sie mir alle wieder nimmst. Hör auf mich zu quälen.

3)Da Klaus schon seit 1 ½ Jahren arbeitslos war, dachte ich, daß das nun eine tolle Aufgabe für ihn wäre. Aber ich hatte mich getäuscht. Gleich in den ersten Wochen begann er wieder zu trinken. Eines Tages war er so sehr betrunken, daß ich die Nase voll hatte. Als ich nach Hause kam und seinen Zustand sah, ging ich in den Keller und holte einen Koffer herauf. Ich wollte, daß er packt. Ich ging ins Bad, um den Koffer zu säubern. Er lief hinter mir her, riss mir den Koffer aus der Hand, drückte mich auf den Toilettendeckel und holte aus. Ich bekam rechts und links eine Ohrfeige. Ich war wie erstarrt, konnte weder weinen, noch etwas sagen. Er ließ von mir ab und ging aus dem Bad. Die gesamte Familie saß auf der Terrasse beim Essen, nur mein Mann war nicht da. Ich setzte mich mit an den Tisch, nur essen konnte ich nicht. Irgendwann fiel unserem Enkelkind auf, daß Opa nicht da war. Sie zog los, um ihn zu suchen. Sie kam ganz aufgeregt zurück: „ Oma, der Opa sitzt auf dem dunklen Dachboden und spielt mit dem Dreck. Der hat gar nicht gemerkt, daß ich bei ihm war, der spricht auch nicht mit mir.“ Ich ging also auf den Dachboden und sah ihn auf dem Boden sitzen. Er spielte mit einem Haufen Dreck und wollte sich ein Fenster bauen. Ich bekam Angst und dachte, daß er im Dellirium ist. Ich überredete ihn, mit mir zu kommen. Er kam auch, schaute sich immer ängstlich um, als ob er verfolgt würde. Als unser Hund ihn begrüßen wollte, bekam er Angst, als ob es ein wildes Tier sei. Der Rest der Familie fuhr nach Hause und ich brachte meinen betrunkenen Mann unter die Dusche, in der Hoffnung, daß ihn diese weckt und ihn frischer macht. Es dauerte auch alles ungefähr eine Stunde, dann kam er einigermaßen wieder bei. Ich sorgte dafür, daß er ins Bett kam und ging zum ersten Mal ins Gästezimmer schlafen. Ich konnte lange nicht einschlafen und mir ging immer durch den Kopf, ob das tatsächlich ein Dellirium war oder spielte er mir so etwas ungeheuerliches vor, weil er Angst hatte, daß ich ihn rausschmiss? Ich war verzweifelt und so langsam bekam ich richtig Wut. Wofür hat mein Mann die Therapie gemacht. War alles umsonst?"

Stell dir vor, du wärst Verleger. Würdest du dein eigenes Manuskript kaufen? (Und weshalb?)

Ja. Ich würde es Frauenhäusern, Selbsthilfegruppen, Therapiekliniken und dem normalen Buchhandel anbieten.

Wie hoch wäre deine finanzielle Schmerzgrenze, was würdest du dafür ausgeben, wenn du dafür dein Manuskript gebunden in der Hand halten und großzügig/stolz (an deine Mutter z.B.) verschenken könntest? (Wenn du nichts dafür zahlen würdest: Warum nicht?)

höchstens 1.000 DM, da mein Mann arbeitslos ist und ich alles nur von meinem Gehalt bestreite.

Bist du der Überzeugung, dass ein Verlag, der von dir Druckkostenzuschuss verlangt, sich anschließend für die Bewerbung deines Buches stark macht?

Ich hoffe es.

Um noch mal auf die Frage von eben zurück zu kommen: Könntest du dir wirklich vorstellen, dein eigener Verleger zu sein?

Nein. Da ich höchstens noch 1 Folgebuch herausbringen würde.

Was hältst du von Printing on Demand-Anbietern (wie z.B. BoD)?

Wäre auch ok.

Was würdest du - falls du dich entschließen solltest, es einmal mit Printing on Demand zu versuchen - von einem Lektorat halten? Meinst du, ein Lektorat wäre sinnvoll? Und warum?

Ja, ein Lektorat wäre sinnvoll. Ich habe die Geschichte ja genau vor Augen. Aber konnte ich sie auch genauso verständlich und für den Leser erkennbar beschreiben? Außerdem spreche ich mich nicht frei von Flüchtigkeitsfehlern.

Für wie wichtig hältst du das Layout des Satzes und des Covers?

Sehr wichtig. Ein Buch muss schon für das Auge ansprechbar sein.

Wieviel würdest du für dein eigenes Buch ausgeben, wenn es z.B. 150-200 Seiten hat?

Als Taschenbuch ca. 20 DM

Wie stellst du dir die Werbung für dein Buch vor?

Anzeigen in Zeitungen. Artikel in Fachzeitschriften. Was gibt es mehr?

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